Ist Toastmasters eine Sekte?

Menschen, die Toastmasters noch nicht sehr lange kennen, stellen sich manchmal die besorgte Frage: Ist Toastmasters eigentlich eine Sekte?
Es gibt doch gar zu viele Ähnlichkeiten: Die Rituale beim Treffen (Handschlag, Formelle Anrede, Klatschen), die stark strukturierierte Organisation mit Vice Presidents, Area Governors, Districts, World Headquarters usw., die manchmal religiös anmutenden Inhalte wie "A Toastmaster's Promise" auf der Rückseite des Aufnahmeformulars und – vor allem – die Wirkung, die Toastmaster-Sein auf uns alle ausübt: Massiv gesteigertes Selbstbewußtsein, erhöhtes Interesse am Kontakt mit anderen Menschen, deutlich gesteigerte Lebensfreude und mittelfristig größerer Erfolg im Beruf.
Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen, sagen sich da manche. Da muß doch eine dunkle Macht dahinter stecken. Das Ganze ist doch bestimmt von der Scientology unterwandert oder dient in Wirklichkeit den Propagandazwecken eine geheimen Untergrundorganisation, die hier ihre Tentakel nach uns ausstreckt. Dass Menschen einfach so aus Begeisterung für die Sache zusammenwirken und sich gegenseitig auf die Sprünge helfen, das ist doch nicht realistisch. So ein Club soll seine Kraft allein aus dem Zusammenwirken seiner Mitglieder beziehen? Nein, das kann es gar nicht geben, das hat noch nie funktioniert. Schon gar nicht in Deutschland, da sind wir doch alle viel zu kritisch, welterfahren und intellektuell hochstehend, um uns auf so einen Zauber einzulassen.
Wer sich gerne davon überzeugen möchte, ob Toastmasters etwas mit Sekten zu tun hat, kann folgende Dinge tun:
- Die Website der Organisation anschauen und prüfen, ob hier versucht wird, Menschen zu ködern.
- Das Material der Toastmasters (z.B. das Grundlagenhandbuch) genau anschauen und prüfen, ob hier irgendwelche dunklen Dinge angestrebt werden.
- Eine der internationalen Konferenzen von Toastmasters besuchen und prüfen, ob hier esoterische Ziele verfolgt werden.
- Seinen eigenen Menschenverstand benutzen und prüfen, ob es nicht bessere und leichtere Wege gäbe, eine solche Unterwanderung zu bewerkstelligen.
- Kontakt mit Amerikanern aufnehmen und sich bestätigen lassen, dass Toastmasters dort eine völlig normale Institution des Alltags ist, so etwas, das es "schon immer" gegeben hat, ein selbstverständlicher Bestandteil des öffentlichen Lebens.
- Vergleiche mit Organisationen anstellen, die ebenfalls aus Gleichgesinnten bestehen und einer gemeinsamen Sache gewidmet sind, beispielsweise Sportgemeinschaften, Modellbauclubs, Sängervereinigungen oder dem Deutschen Alpenverein.
Das öffentliche Reden in Clubform zu schulen, ist für uns Deutsche noch etwas Ungewöhnliches. Deshalb ist es kein Wunder, dass manche damit ihre liebe Not haben. Im angelsächischen Kulturbereich ist es etwas völlig Normales. Dort sind Befürchtungen, dass Toastmasters eine Sekte sein könnte, unbekannt. In Deutschland ist das anders, vielleicht aufgrund der ausgeprägten Rationalität und Skepsis, die unsere Kultur prägt. Deshalb sollten wir solche Bedenken durchaus ernst nehmen. Schließlich hat die Wirkung, die einige Monate Toastmasterei auf fast jeden ausüben, durchaus etwas Wunderbares – da reicht unsere Schulweisheit zum Verständnis nicht immer aus.
Also, liebe Kritiker, kommt doch einfach mal vorbei und schaut Euch das selbst an!
Treffpunkte stehen im Clubkalender.



